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Smartphones, eine reine Spielerei?

Nov 21, 13 • AllgemeinNo CommentsRead More »

iPhone5S_2„Geht das auch im Web?“ Lange Zeit war für viele Business-Applikationen die Web-Umsetzung einer der wichtigen Indikatoren für Innovation und Mobilität. Seit kurzem muss der Satz wohl modifiziert werden: „Geht das auch auf Tablets und Smartphones?“ In naher Zukunft wird er wohl wieder angepasst werden müssen: „Geht das auch auf der Smartwatch oder Google Glass?“ Der Wunsch der Business-Anwender hinter diesen Fragen ist immer der Gleiche: Durch den Einsatz neuester Technologien sollen Unternehmensprozessen effektiver und effizienter gestaltet werden. Sie sollen einen klaren Mehrwert gegenüber bisherigen Abläufen schaffen. Aber wie sehen eigentlich die Anforderungen an eine Business-Applikation für die Nutzung auf einem Smartphone aus? Im Bereich der Business Intelligence kann es durchaus nützlich sein, wenn das unternehmensweite Berichtswesen auch auf mobilen Endgeräten zur Verfügung steht. Führt man sich die Komplexität solcher Reporting-Systeme vor Augen, wird aber schnell klar, dass ein Smartphone hier höchstens ergänzend wirken kann. Substituieren wird es andere Ausgabegeräte in absehbarer Zeit nicht. Dies hat zwei Gründe: Der Formfaktor und die Nutzung eines Smartphones unterscheiden sich wesentlich von Tablets oder Desktop-Computern.

Smartphones sind Derivate des klassischen Mobiltelefons. Sie sind in der Regel für die einhändige Bedienung, zum Telefonieren und für eine hohe Mobilität konzipiert. Demzufolge ist das Display kleiner als das eines Tablets oder PCs, meistens zwischen 3,5 und 6 Zoll. Auf einem 24-Zoll-Monitor im Büro lassen sich vier Tabellen und zwei Grafiken auf einem Bildschirm gut darstellen, auf einem Mobiltelefon nicht oder nur mit großen Abstrichen in der Qualität der Visualisierung. Mobiltelefone werden vorwiegend im sogenannten Portrait-Modus, also hochkant, Tablets hingegen häufig im Landscape-Modus, also im Querformat, verwendet. Dieses unterschiedliche Seitenverhältnis hat im Zusammenspiel mit dem kleineren Display erhebliche Auswirkungen auf die Applikationsentwicklung für Smartphones. Informationen, die auf einem Tablet oder auch am PC nebeneinander dargestellt würden, müssen auf einem Smartphone ganz anders aufbereitet werden. Kurz: die Visualisierung von Informationen auf dem Smartphone unterliegt anderen Design-Paradigmen. Um die gleiche Menge an Informationen adäquat darzustellen, müssen andere Darstellungsformen als die gewohnten gewählt werden. Hinzukommt, dass nicht die ganze Bildschirmfläche für die Informationsvisualisierung zur Verfügung steht: Schaltflächen nehmen einen nicht unerheblichen Teil des Displays ein, damit sie vom Daumen bequem erreicht werden können. Damit ein Smartphone-Bericht also nicht nur der „kleine, hässliche Bruder“ des Desktop-Berichts ist, sind klare Vorgaben zum Information Design unerlässlich.

Die mobilen Betriebssysteme von Apple, Google und Microsoft haben zwar unseren Umgang mit Technik vereinfacht, dennoch muss die Nutzung derselben erlernt werden. Allzu oft wird das Smartphone weiterhin nur zum Telefonieren und für den Email-Verkehr verwendet. Die zusätzlichen Möglichkeiten des Gerätes bleiben meist ungenutzt. Dies liegt zum einen an der geringen Erfahrung der Endnutzer und IT-Administration im Umgang mit Smartphones im Geschäftsumfeld und dem dadurch geringen Bedarf an beispielsweise Smartphone-optimierten BI-Systemen. Zum anderen bremst die mangelnde Nachfrage die Entwicklung Smartphone-spezifischer Business-Inhalte der Anbieter ein. Ein klassisches Henne-Ei-Problem.

Studien zeigen aber, dass ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland bereits ein Smartphone besitzt. Im Juli 2013 waren es bereits knapp 36 Millionen Menschen. Das sind mehr als 50% aller Mobiltelefon-Nutzer des Landes.* Von diesen Menschen hat ein Großteil rund 24 Stunden am Tag sein Smartphone in Griffweite. Das kann man, bis auf wenige Ausnahmen, von Tablets und PCs nicht behaupten. Im Umkehrschluss bedeutet das, Smartphones stehen auch dann zur Verfügung, wenn Tablets oder Laptops nicht griffbereit sind. Smartphones könnten also den Informationsfindungszeitraum bei kritischen Entscheidungsprozessen signifikant verkürzen, sofern die Analyse-Applikation diesem Umstand durch eine klare und übersichtliche Informationsdarstellung Rechnung trägt. KPIs müssen auf einen Blick erfassbar sein, ansonsten verliert die Smartphone-Applikation ihren Zeitvorteil gegenüber dem Tablet.

Smartphones müssen für Business-Anwendungen keine Spielerei sein. Sie können echten Mehrwert generieren, sofern man sich auf die spezifischen Anwendungsfälle dieser Geräte einstellt. In welchen Situationen kommt ausschließlich das Smartphone zum Einsatz? Welche Informationen werden in diesen Fällen benötigt? Software-Anbieter und CIOs in den Unternehmen müssen eigene Anwendungsfälle für Smartphones definieren, analysieren und umsetzen. So ließe sich die Sensibilisierung der Smartphone-Nutzer und der IT-Abteilungen weiter vorantreiben. Zugute kommen würde dies sowohl der Nachfrage als auch dem Angebot.

Autor: Christoph Hein, Produktmarketing

* Quelle: Statista (http://de.statista.com/statistik/daten/studie/237079/umfrage/anteil-der-smartphone-nutzer-an-allen-mobilfunknutzern-in-deutschland/)

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