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Self-Service BI: “Information heaven” oder “The dawning of the Spider-Web 3.0”?

Feb 18, 13 • AllgemeinNo CommentsRead More »

Self-Service BI ist ein Schlagwort der aktuellen BI-Fachdiskussion. Der Begriff steht beispielsweise als Schwerpunktthema des BARC BI Forums auf der diesjährigen CeBIT im Fokus.  Jeder BI-Anwender hat eine vage Vorstellung, was damit gemeint sein könnte, aber die Vorstellungen gehen weit auseinander: „Selbstbedienung“ im Sinne von eigenen Analysemöglichkeiten von Kennzahlen statt starrer Reports? Zugriff auf Fachinformationen ohne „Umweg“ über die IT-Abteilung? Oder direkter Zugriff auf operative Datenquellen?

Begriffsdefinition

Meines Erachtens hat das TDWI in seinem Report „Self-Service Business Intelligence: Empowering Users to Generate Insights“ vom Juli 2011 den Begriff bereits abschließend definiert. Der Report steht hier bereit: http://tdwi.org/Research/List/TDWI-Best-Practices-Reports.aspx?Page=1 »

Im TDWI Report wird der Begriff folgendermaßen umrissen:

Ziel von Self-Service BI ist es …

» Einen BI-Anwender von BI in die Lage zu versetzen,

» auf die Informationen zuzugreifen, die er benötigt

» und zwar mit einem einfach zu bedienenden Werkzeug,

» um schließlich die gewonnenen Erkenntnisse mit anderen Beteiligten des Informationsprozesses zu teilen.

Wichtig ist festzuhalten, dass der Begriff nicht eine Technologie beschreibt, sondern ein Konzept – genauer gesagt ein Informationskonzept. Dass aus den Anforderungen, die sich aus der o.g. Zielsetzung ableiten lassen, ein Trend geworden ist, resultiert aus folgenden Entwicklungen:

» Wachsender Bedarf an entscheidungsrelevanten Informationen in allen Unternehmensebenen

» Sich immer schneller verändernde Informationsanforderungen

» Stetig steigende Datenmengen

Neue Technologien bzw. Funktionen in BI Anwendungen wie In-memory-Datenbanken, In-memory-Analysen, Mobile BI oder der grafischen Exploration von Daten ermöglichen es den BI-Anwendern, diesen Rahmenbedingungen gerecht zu werden.

Der Anwender im Paradies

Die Nachfrage nach neuen Technologien kommt auch und gerade von seiten der Anwender, die mehr und mehr als Entscheider auf allen Unternehmensebenen gefordert sind und auf der Suche nach hilfreichen Informationen bzw. entscheidungsunterstützenden Tools  zu Treibern der technischen Innovation werden. Der Trend der Self-Service BI kommt dabei der Schlüsselstellung der Anwender entgegen und rückt sie und ihre Bedürfnisse zu Recht in den Mittelpunkt von BI-Lösungen. Nur wenn der Anwender auf einfache Art und Weise seine Fragen beantworten kann,  können im Wettbewerb um Kunden die richtigen Entscheidungen getroffen werden.

Ein sehr wesentlicher Punkt von Self-Service BI ist dabei, dass der Anwender seine Fragen so selbstständig wie möglich beantworten kann. Selbstständig meint an dieser Stelle, ohne auf die Hilfe der IT-Abteilung angewiesen zu sein, d.h. durch diese Unabhängigkeit auch flexibel und schnell auf Marktanforderungen reagieren zu können.

Verschiedene BI-Anbieter postulieren sogar schon den nächsten neuen Trend: Self-Reliant BI. Im Unterschied  zur Self-Service BI, bei der sich der Anwender Informationen aus mehreren Datenquellen holen kann, geht Self-Reliant BI noch einen Schritt weiter. Sieht man die Datenquellen als verschiedene Gerichte, von denen sich der Anwender nach Bedarf bedienen kann, wird er bei Self-Reliant BI selbst zum Koch. Unterstützt wird er dabei durch neue Technologien und Funktionen von BI-Anwendungen.

Aus Sicht des Anwenders ist Self-Reliant BI wohl das Paradies. Einfach zu bedienende BI-Anwendungen erlauben es ihm, aus verschiedensten Zutaten die fantastischsten Zusammenstellungen zu kreieren – in der Hoffnung, damit alle im dynamischen Geschäftsalltag aufkommenden Fragen jederzeit schnell, neu und angemessen beantworten und immer abgesichert entscheiden zu können. Ein Blick auf die Erfahrungen, die bereits mit selbstständiger Informationsversorgung gemacht wurden, zeigt jedoch die andere Seite der Medaille.

Wie neu ist Self-Service BI?

Bevor das Data Warehouse erfunden wurde, haben Anwender ihre Informationsbedürfnisse durch die Erstellung von Spreadsheets oder gar eigenen Applikationen auf Basis von Spreadsheets gestillt. Auch das ist in gewisser Weise bereits ein Self-Service BI-Konzept, allerdings auf funktional wesentlich anderem Niveau als die heutigen BI-Anwendungen.

Häufig war die Datengrundlage für diese Spreadsheets ein Extrakt einer oder mehrerer Tabellen eines Großrechner-Anwendung. Die Anwender haben dabei Probleme der Datenaufbereitung (Transformation) oder der Datenqualität durch komplexe Formeln in den einzelnen Spreadsheets gelöst. Häufig wurde dabei ein Extrakt in verschiedenen Spreadsheets eines Anwenders verwendet, und die Spreadsheets wiederum als Datengrundlage für weitere Applikationen genutzt, sogar zwischen verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens.

Das Konstrukt, das aus diesem Vorgehen entstand, wird von Bill Inmon als „Spider Web of Extracts“ bezeichnet:

Stolen from “William H. Inmon: Building the Data Warehouse, 4th Edition”

Durch dieses Vorgehen sind nahezu zwangsläufig verschiedene „Kundenlisten“ oder gar verschiedene Werte für ein und dieselbe Kennzahl entstanden. Im Zuge der Verbreitung von relationalen Datenbank-Managementsystemen, die heute das Rückgrat der Datenverarbeitung in den Unternehmen bilden, wurde das Konzept des Data Warehouse als zentrale Datenquelle für alle analytischen Fragestellungen oder beinahe allen analytischen Fragestellungen genutzt. Mit der Verbreitung von Data-Warehouse-Implementierungen hat das Konzept „single point of truth“ Einzug in die Unternehmen gehalten.

Chancen und Risiken von Self-Service BI

Der Nutzen des „single point of truth“ ist klar: Selbstverständlich sind konsistente Kennzahlen und einheitliche Metadaten im gesamten Unternehmen das Ideal, auf das alle Beteiligten abzielen. In der Praxis waren für die unterschiedlichen Informationsbedürfnisse der verschiedenen Fachabteilungen jedoch die zentral gesteuerten Informationsvorgaben oft zu strikt – die Gefahr von neuerlichen Insellösungen samt Spider Web auf Spreadsheet-Basis in den Fachbereichen steht hier immer im Raum.

Self-Service BI bietet hier die Lösung. Durch einfach zu bedienende BI-Anwendungen, die sich aus dem „single point of truth“ des Data Warehouses oder direkt aus den operativen Unternehmenssystemen bedienen,  werden die unterschiedlichen Informationsanforderungen der Anwender erfüllt.

Hierbei kommt es jedoch auf ein gut durchdachtes Informationskonzept als Basis der BI-Architektur an. Erhalten die einzelnen Anwender zu viele Freiheiten bezüglich der Wahl ihrer Datenquellen und der Auswertung der Informationen, besteht die Gefahr, dass wieder viele Wahrheiten entstehen. Auch Aspekte der Datenqualität bzw. Data Governance sind bei Self-Service BI-Konzepten unbedingt zu berücksichtigen: Wie viel Verantwortung trägt der einzelne Anwender bzw. der Fachbereich für die Qualität der (fachlichen) Daten? Die Frage der Datenqualität ist üblicherweise eine zentral angesiedelte Aufgabe. Wandert die Zuständigkeit für das Datenmanagement mehr auf die Anwenderseite, ist auch die Verantwortung für saubere Daten entsprechend zu verlagern, sonst gerät die Qualität der Datenbasis außer Kontrolle – und das ist tatsächlich ein unternehmenskritisches Risiko.

Das Cubeware Konzept

Cubeware hat bereits langjährige Projekterfahrung mit dem Konzept Self-Service BI, da unsere Produkte explizit für den Anwender entwickelt sind: Mit unserem funktional starken, aber einfach zu bedienenden Frontend und ETL-Tool geben wir dem Anwender systemseitig viel Spielraum. Zugleich sorgt die zentrale, einheitliche BI-Plattform für konsistente Daten in standardisierter BI-Umgebung, und die ausgefeilte Rechtesteuerung verhindert „Wildwuchs“ auf Anwenderseite.

Unsere Erfahrung ist: Zuviel Analysefreiheit auf Anwender-Seite macht weder die BI-Verantwortlichen im Unternehmen noch die Anwender selbst glücklich. Müssen die Anwender im schnellen Tagesgeschäft zu viel Zeit und Mühe aufwenden, um sich selbst ihre geeigneten Informationen zusammenzusuchen und sinnvolle Aggregationen und Auswertungen zu bilden, wird aus dem vermeintlichen „Self-Service-Paradies“ ganz schnell eine Hölle aus vergeudeter Zeit, Diskussionen über inkonsistente Zahlen und trotz aller Informationsrecherche nicht beantworteter Fragen. Die richtige Mischung macht´s stattdessen: Individualisierte Standardreports als Informationslieferung und sinnvolle, rollengesteuerte eigene Analysemöglichkeiten bringen das beste Ergebnis bei effizienten Informationsprozessen. Bei der Umsetzung von Self-Service BI ist also ein gut durchdachtes Informationskonzept ein Muss.

Cubeware wird die technischen Möglichkeiten in diesem Sinne weiter ausfeilen und beispielsweise die Bedienung seiner Anwendungen zukünftig noch einfacher gestalten. Eines der obersten Gebote ist dabei „Ease of use“.

Darüber hinaus wird auch der integrative Zugriff auf neue Datenquellen (z.B. WebServices, DataMarkets oder BigData Datenquellen) berücksichtigt. Ein wesentlicher Aspekt wird dabei auch die Kombinatiosmöglichkeit der einzelnen Datenquellen sein. Das Ergebnis dieser Verknüpfung kann dann durch den Anwender visualisiert und / oder durch neue Methoden analysiert werden.

Die Gefahr, dass wieder ein Spider Web entsteht, verhindert Cubeware durch entsprechende Berechtigungsrollen, die auf die Anforderungen und Kenntnisse der Anwender Rücksicht nehmen.

Ich persönlich spreche dabei von „Managed Self-Service BI“.

 

Tom Martens, Vice President Product Marketing

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