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„Das ist ja einfach!“

Jan 22, 14 • AllgemeinNo CommentsRead More »

„Das System muss einfach zu bedienen sein.“ Immer wieder fällt der Satz von Führungspersonen in allen möglichen Unternehmensbereichen. Doch was ist „einfach“ und vor allem, wie wird ein Produkt „einfach“? Personen, welche diesen Satz äußern, haben zumeist nicht das notwendige Know-how, um tatsächlich einschätzen zu können, wie „kompliziert“ „einfach“ sein kann. Oft fallen in diesem Zusammenhang zwei Begriffe: Interaction Design und User Experience. Doch ist das das Gleiche? Nein!

Unter Interaction Design versteht man einen Prozess, welcher sich auf die Gestaltung des Systems bezieht. Ein Interaction Designer gestaltet all das, was ein Benutzer sieht, hört und fühlt. Das heißt, die User Experience ist ein Teil des Interaction Design. Laut Don Norman, ist die User Experience „die Zukunft im Interaction Design“. Die Designer müssen die Gefühle, Gedanken und Freude der Benutzer in ihren Systemen mehr und mehr berücksichtigen. Hier ist vor allem auch der Gedanke des „Joy of use“, also die Freude an der Bedienung, zu nennen.

Ein Beispiel: Drückt man die entsprechende Taste auf seinem Schlüssel, um sein Auto zu öffnen, so leuchten die Blinker kurz auf. Doch wieso? Es wurde von BMW speziell entwickelt und zwar nur mittels User-Experience-Methoden. Probanden wurden gefragt, was sie als positives Erlebnis in ihrem Alltag empfinden. Die Antwort: Sie würden es als positiv empfinden, einen lange nicht mehr gesehenen Freund zu begrüßen. Genau dieses Verhalten adaptierte BMW und übertrug es auf ihre Fahrzeugflotte. Das Auto ist der Freund, welcher durch das Aufleuchten der Blinker sagt: „Schön dass Du wieder da bist!“. Dies ist keinem von uns bewusst, dennoch bereitet es uns ein gutes und positives Gefühl.

Doch nicht nur die User Experience ist ein Teil des Interaction Design, sondern auch die Usability. Sie ist ein Maß für den Grad, wie „einfach“ eine Benutzeroberfläche zu bedienen ist. Die Usability wird durch fünf Qualitätseigenschaften definiert [vgl. Nielsen Norman Group]:

  • Erlernbarkeit: Wie einfach ist es für Nutzer, welche das System zum ersten Mal bedienen, rudimentäre Aufgaben zu lösen?
  • Effizienz: Wenn die Nutzer das System verstanden haben, wie lange benötigen diese, eine Aufgabe abzuschließen?
  • Einprägsamkeit: Wenn Nutzer das System lange nicht verwendet haben, wie schnell erinnern sie sich an gewisse Abläufe?
  • Fehler: Wie viele Fehler machen die Nutzer, wie schwerwiegend sind diese und wie einfach können sie diese Fehler selbst beheben?
  • Zufriedenheit: Für wie angenehm wird es empfunden, das System zu verwenden.

Um ein System „einfach“ gestalten zu können, werden Methoden benötigt, um korrektes Interaction Design abbilden zu können. Hierfür gibt es verschiedene Ansätze: Eine Methode ist der sogenannte User-zentrierte Design-Prozess nach Alan Cooper. Dabei steht der Benutzer im Mittelpunkt und ist der zentrale Bestandteil dieses Prozesses. Die Nutzer werden interviewt oder beobachtet. Aus diesen Daten und vor allem aus dem Verhalten der Probanden können anschließend verschiedene Nutzergruppen erstellt werden – sogenannte Personas. Diese sind zwar fiktiv, haben aber Gefühle und bestimmte Ziele. Aus diesen Nutzergruppen und deren individuellen Eigenschaften werden Prototypen erstellt, welche im Anschluss wieder evaluiert werden. Dieser Schritt wird so lange wiederholt, bis der Prototyp von den Probanden volle Akzeptanz erlangt.

Auch SAP verwendet diesen Prozess für ihre Designs. Die nachfolgende Abbildung skizziert den Prozess von SAP.

Design-Prozess SAP

 

 

 

 

 

 

Abbildung1: User-zentrierter Design-Prozess von SAP

Zurück zur Ausgangsfrage: Wie wird ein Produkt oder ein System „einfach“? Durch eine Menge tiefgehendes Know-how, eine ausgefeilte Methodik und einen langwierigen iterativen Prozess. „Einfach“ ist nicht gleich „einfach“. Aber an dieser Stelle zu investieren, lohnt sich einfach.

Autor: Florian Hofmann, Produktentwicklung


Quellen:

Nielsen Norman Group (http://www.nngroup.com/articles/definition-user-experience/)
SAP Design-Guidelines (http://www.sapdesignguild.org/editions/edition10/ucd_overview.asp)
About Face 3: The Essentials of Interaction Design von Alan Cooper

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